Herzlich Willkommen auf meiner Website. Ich bin Stephanie Schuster und Schriftstellerin, Illustratorin, Buchbloggerin und Dozentin für "literarisches Figurenaufstellen".

Hier schreibe ich über Bücher anderer Autoren, die mich begeistern, erstaunen, beschäftigen, inspirieren. Neuerscheinungen, Klassiker aus meinem Bücherregal. Gelegentlich auch über Enttäuschungen, Bücher, die zuviel versprochen haben. Aber wie immer gilt, jedes Buch schlage ich mit Neugier auf, bereit, in die Geschichte oder die Bilder einzutauchen...



Es handelt sich um (unbezahlte) Werbung für Bücher, gelegentlich erhalte ich ein Rezensionsexemplar der Verlage. Ansonsten kaufe ich die Bücher in meinen Lieblingsbuchhandlungen. Die Verlinkungen zu den Infoseiten sind § 2 Nr. 5 TMG gekennzeichnet.



Deana Zinßmeister

Die Farbe des Goldes

historischer Roman


Ein mit Blattgold verzierter Galgen wartet auf den Alchemisten. Wird er hängen, weil er trotz vieler Versuche und Verschwendung von wertvollem Eisenerz geschafft hat, Gold herzustellen? Gleich zu Beginn wirft die Autorin neugierig machende Fragen auf und entführt den Leser in die Gegend um Stuttgart, im Jahr 1605. Vier charakterlich sehr unterschiedliche Hauptfiguren treffen im Laufe des Romans aufeinander und verbinden sich zu einer Geschichte. Die junge Elisabeth, die ihrem hartherzigen Elternhaus entfliehen will, der arrogante Herrscher Georg, der den Namen seines besten Freundes und Cousins benutzt, um unerkannt zu bleiben. Frédéric, der sich als Bastard bei Hofe behaupten muss und trotz allem versucht das Richtige zu tun. Und der Alchimist Johannes Keilholz, den es an den Württembergischen Hof verschlägt, um Gold herzustellen. Gold spielt hier nicht nur als Edelmetall eine Rolle, es steht auch als Sinnbild für das Wichtigste im Leben der Figuren. Wendungsreich und spannend bis zur letzten Seite, zieht Deana Zinßmeister mit ihrem neuesten historischen Roman wieder in den Bann. Das ist ein großes Lesevergnügen!  


Eduardo Halfon

Duell

Roman

Der Erzählton ist distanziert, kaum wörtliche Rede, alles scheint aus der Erinnerung heraus aufgeschrieben und doch reist der Ich-Erzähler zugleich die Schauplätze seiner Kindheit ab, um sich auf die Spurensuche eines ertrunkenen Kindes namens Salomon zu machen. Seine polnisch-libanesische Familie ist vor allem jüdisch und den Gräueltaten des Nationalsozialismus entkommen und redet bei diesem Kind „Salomon“ ständig um den heißen Brei. Anders, als das Cover vermuten lässt, spielt der etwas über hundert Seiten kurze Roman hauptsächlich in Guatemala, wo auch der Ich-Erzähler aufwuchs. Vom Himmel fliegende Kühe, eine Heilerin, die die Einheimischen „Einreiberin“ nennen und die in einem langen Teil von vielen, vielen „Salomons“ erzählt, die alle ertrunken sind, lassen einen Hauch magischen Realismus anklingen, den ich als deutsche Leserin mit Lateinamerika verbinde. Alles in allem war mir die Geschichte zu nüchtern und zusammenfassend erzählt, sodass ich nur wenige berührende Momente darin gefunden habe. Leider entschwindet so nach dem Lesen sofort die Erinnerung an die Geschichte, aber vielleicht lag das ja in der Absicht des Autors. Auch Roman sind flüchtig, versuchen nur ein Duell zwischen Wahrheit und Erfindung.  






Florian Valerius,  Mareike Fallwicklillustriert von Franziska Misselwitz

Leseglück

99 Bücher, die gute Laune machen

"Wenn's mir schlecht geht, geh ich nicht in die Apotheke, sondern zu meinem Buchhändler", sagt Philip Dijan. Und wenn man das tut, erhält man vielleicht neuerdings Florian Valerius und Mareike Fallwickls gemeinsames "Leseglück"- Büchlein. Es macht wirklich gute Laune und passt sogar mit in den Erste-Hilfe-Kasten. Zitate, Leselisten, Hashtag-Tipps und vieles mehr. Toll illustriert von Franziska Misselwitz. Aber Vorsicht, hinterher braucht man ein neues Bücherregal!

Buchinfos und Link zur Verlagsseite: 
Verlag Ars-Edition. Softcover, 144 Seiten







Doris Dörrie
Leben, Schreiben, Atmen
Eine Einladung zum Schreiben

Schreiben Sie über Verlorenes. Wann ist etwas wirklich verloren? Was hast du verloren und wiedergefunden? Was für immer verloren? Was vermisst Du? …“ Sind damit verlorene Dinge oder eine verlorene Liebe gemeint? Sowohl, als auch. Doris Dörrie erzählt von ihrer Mutter, die ihren Ehering verlor und erst Jahrzehnte später wiederfand. Von einem verlorenen Milchzahn und anderen Dingen, aber auch vom tragischen Verlust ihres Mannes. Obwohl ich dachte, dass über das Schreiben schon alles gesagt wurde, freue ich mich über dieses sehr schön gemachte neue Buch. Die bekannte Filmemacherin und Autorin Doris Dörrie lehrt seit zwanzig Jahren kreatives Schreiben an der Filmhochschule München. Und diese langjährige Erfahrung als Dozentin und Selbstschreibende merkt man ihr an. Sie geht spielerisch an die Sache, regt vor allem zum Mit-der-Hand-schreiben an. Dabei gibt sie Einblicke in ihr Leben und in ihrer Schreibbiografie und hat am Ende jedes Kapitels einen Tipp, wie man selbst zu Stift und Notizbuch greifen kann. Diese Mischung aus Autobiografie und Schreibratgeber macht großen Spaß zu Lesen, aber vor allem große Lust aufs Schreiben.

Hardcover, Diogenes Verlag, 288 Seiten



Harald Jähner
Wolfszeit
Deutschland und die Deutschen, 1945 – 1955

Eine Seiltänzerin balanciert über einer zerbombten Stadt. Das Foto auf der ersten Seite dieses Buches fasst die Epoche, um die es geht, ohne Worte zusammen. Manche nannten die Zeit kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs „Niemandszeit“, andere sprachen von der „Wolfszeit“. Denn jeder kümmerte sich nur um sich selbst oder seine Familie, (sofern noch vorhanden), wie Wölfe mit ihrem Rudel. Das mit dem Leipziger Buchpreis gekrönte Sachbuch beleuchtet eine rel. unbekannte Zeit, die für uns Nachgeborene als Zeit des Wiederaufbaus bis zum Wirtschaftswunder gilt. Über die Hälfte der Menschen in Deutschland waren nach dem Krieg nicht dort, wo sie hingehörten oder hinwollten, darunter neun Millionen Ausgebombte und Evakuierte, vierzehn Millionen Flüchtlinge und Vertriebene, zehn Millionen entlassene Zwangsarbeiter und Häftlinge, Abermillionen nach und nach zurückkehrende Kriegsgefangene. Was aus diesen Menschen wurde, wie sie neu zusammenfanden, davon erzählt Harald Jähner spannend und berührend. Warum sehnten sich viele nach genau dieser „Wolfszeit“ zurück? Was geschah in der „Stunde Null“, als der Krieg endlich vorbei war? Das Kriegsende wurde verschoben, wie wir nun erfahren, weder die Stunde noch der Tag standen genau fest. Erst im Rückblick einigte man sich auf ein Datum. Während die einen also noch Panzersperren bauten und dem „Führer“ treu blieben, hängten andere bereits weiße Fahnen heraus. Und als auch der letzte begriff, dass das „Dritte Reich“ nicht mehr existierte, wie erging es dann den vielen Heimatlosen? Wie fasste man wieder Fuß? Wie lebte man mit der Schuld? Aber auch ganz praktisch gedacht: Wer räumte den Schutt der zerbombten Städte auf? Waren das tatsächlich die Trümmerfrauen? Die Alliierten zwangen Nationalsozialisten dazu, aber die allein schafften das nicht. Fachpersonal musste her. Nur in Berlin waren es überwiegend die Frauen, da dort besonders viel Männermangel herrschte. Woher kam die Lebensfreude, die wir spüren, wenn wir Filme und Musik der 50er Jahre sehen und hören? Der Autor erzählt von Unbekannten und Prominenten, Kulturschaffenden und Otto Normalverbrauchern. Vom beginnenden Kalten Krieg und dem Design der Demokratie bis zum Klang der Verdrängung. Erhellt wird das Ganze mit Ausschnitten aus Zeitzeugenberichte und zahlreichen Fotos.
Ein großartiges Buch zum Eintauchen und Verstehen der Generation unserer Großeltern und Eltern, damit unsere Wurzeln bis zu uns selbst.   





Ferdinand von Schirach
Kaffee und Zigaretten

Sein persönlichstes Buch heißt es laut Ankündigung des Verlags, also wurde ich neugierig, was Herr von Schirach über sich preisgibt. Ich vermutete, dass er stark raucht und viel Kaffee trinkt, wie der Titel sagt. Aber nichts dergleichen. Vielleicht hat er bei diesen Stimulantien geschrieben. Ich kann mich jedenfalls gar nicht erinnern, ob die Figuren oder der Ich-Erzähler raucht. Zwischen den Erinnerungen stehen spannende Gerichtsfälle. Diese Mischung ergibt sich, weil einige der Texte schon mal in Zeitschriften erschienen sind.
Die Miniaturen sind wieder sehr originell und lesen sich in einem Rutsch weg, doch das habe ich nicht gemacht, damit ich das Buch mehr genießen konnte. Berührende, spannende, verblüffende Geschichten mit ein wenig Autobiografie des Autors. Alles in allem, hat es wieder großen Spaß gemacht den neuen Schirach zu lesen! Und kaum hat man zu Ende gelesen, möchte man sofort wieder vorne anfangen, denn viele der Texte regen zum Nachdenken an.

Buchinfos: 192 S., Hardcover, Luchterhand Verlag, Link zur Leseprobe



Nicola Bardola
Elena Ferrante – meine geniale Autorin

Die Weltbestseller-Reihe und der Kult um die geheimnisvolle Autorin Elena Ferrante bringen auch weitere Bücher rund um die Autorin hervor. Dieses sehr schön gemachte Buch stammt vom besten Kenner ihres Gesamtwerkes: Nicola Bardola. Er schenkt uns Leserinnen besondere Einblicke in all ihre Bücher und teilt mit uns seine Gedanken zu ihrem Werk. Dabei widmet er sich ihrem Debüt und den drei folgenden Romanen, dann einem Kinderbuch bis zu der berühmten Tetralogie, zeigt Themen und Motive auf. Er geht sehr genau auf die Figurenzeichnung, die Erzählerstimme und die Sprache ein. Das ist sehr detailverliebt, aber auch spannend-unterhaltsam. Man merkt Bardola die große Begeisterung an, mit der er die Kenntnisse aller Ferrante-Fans bereichert. Denn ihre Romane sind autobiografischer als vermutet. Illustriert ist das Buch mit Fotos der Schauplätze und Hintergrundmaterial, z. B. die Covergestaltungen. So macht Nicola Bardola Lust Ferrantes Gesamtwerk zu lesen.

Weitere Infos zum Buch und dem Autor, samt Leseprobe, Reclam Verlag, 311 S., 59 Farbabb., Hardcover.