Anthony McCarten 

Jack 

Roman


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Ich dachte, der Roman dreht sich um Jack Kerouac, den Schriftsteller von „Unterwegs“. „On the road“ im Original, das „Sinnbild der menschlichen Reise“ (S. 26). Aber auch, wenn die Geschichte mit seiner Beerdigung beginnt, dreht sich die Handlung hauptsächlich um die Ich-Erzählerin, die mehrere Identitäten birgt. Anfangs ist sie die Biografin oder will besser gesagt Kerouacs Biografin werden. Mit einer List erlangt sie seine Aufmerksamkeit. So lernen wir den Schriftsteller kurz vor seinem Tod kennen und erahnen nur noch den Glanz der „Beat-Generation“. Jack ist aufgedunsen und übergriffig, ein träger Alkoholiker, der vor dem Fernseher säuft. Wo sind sie hin, seine wilden Jahre voller Abenteuerlust und Widerstand gegen alles, fragt sich die Erzählerin zusammen mit uns Lesern. Doch nach und nach erfahren wir mehr, in prägnanten Bildern zeichnet Anthony McCarten die Lebensgeschichte von Kerouac und seinen Freunden, verwendet dabei Metaphern wie diese: „…zwängte er ihr einen Hundertdollarring über den geschwollenen Ringfinger, wie jemand, der im Schneesturm einen Reifen wechselt.“
Dank des leichten, spielerischen Schreibstils entfaltet sich eine wendungsreiche Geschichte, die mit allen Erwartungen bricht. „Das Leben ist nicht die Geschichte dessen, was man vermieden hat; es handelt hauptsächlich von den Dingen, die uns unaufgefordert in die Hände fallen, die uns über den Weg laufen, ohne dass wir nach ihnen suchen…“ Und was die zu schreibende Biografie betrifft, so fällt der Ich-Erzählerin an einer Stelle ein Zitat von F. Scott Fitzgerald ein: „Von einem guten Romanschriftsteller hat es noch nie eine gute Biographie gegeben. Kann es nicht geben. Es stecken zu viele Menschen in ihm, wenn er wirklich gut ist.“ Nach diesem Maßstab war Jack ein sehr guter Schriftsteller.

Weitere Infos zum Buch und der Autor, hier auf der Verlagsseite.
Diogenes Verlag, 256 S., Hardcover.



Carry Ulreich
Nachts träum ich vom Frieden
Tagebuch 1941 bis 1945


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Jedes Tagebuch, das im Zweiten Weltkrieg geschrieben wurde, und das auch noch aus den Niederlanden stammt, vergleicht man beim Lesen unweigerlich mit Anne Franks Tagebuch. Im Unterschied zu Anne Frank überlebt Carry Ulreich
die Nazidiktatur. Das Tagebuch besteht aus mehreren Heften. Es beginnt mit der schleichenden Bedrohung durch die Nazis, als den holländischen Juden immer mehr Rechte aberkannt wurden, bis zum Leben im Versteck und der Befreiung. Das besondere an Carry Ulreichs Notizen sind die Einblicke in die Lebensweise der streng gläubigen jüdischen Familie und ihr genau beobachtender Blick des Zusammenbruchs ihrer Heimat Rotterdam. Ihre Einträge führen uns Lesern das Glück vor Augen, dass diese Familie zum Überleben brauchte. Manchmal wagten sich die Untergetauchten sogar auf die Straße. Doch von überall lauerte Gefahr und Willkür. Ein Bangen zwischen Hunger und Hoffnung. Trotz allem erlebte Carry Ulreich als junge Frau schöne Momente, machte das Beste aus der langen Zeit im Versteck, indem sie das Grauen und die Angst um sie herum auszublenden versuchte. Ein wichtiges Zeitdokument und eine berührende Lebensgeschichte, die nicht vergessen werden darf.

Weitere Infos zum Buch und der Autorin, hier auf der Verlagsseite.
Aufbau Verlag, 394 S., Hardcover mit vielen s/w Abbildungen.




Nadja Spiegelman
Was nie geschehen ist

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Die Tochter des vielfach ausgezeichneten Zeichners Art Spiegelman, der mit seinem Holocaust-Comic „Maus“ weltberühmt wurde, erzählt in poetischen Worten und Bildern ihre Familiengeschichte. Ihr Leben ist mit dem ihrer Mutter und Großmutter so dicht verwoben, dass beim Lesen manche Erzählstränge verschwimmen. So schildert sie das Aufwachsen dreier Frauen, zuerst in Frankreich und später in Amerika. Vom Paris der 60er Jahre bis in Gegenwart New Yorks. Zwischen High-Society und tiefem Absturz, Verletzungen, Wut, Emanzipation. Besonders die Leidensgeschichte von Nadja Spiegelmans Mutter berührt. Francoise, die sich nach nichts mehr sehnt, als nach der Anerkennung, erfährt als Kind und Jugendliche von ihrer Mutter nur Ablehnung und Zurechtweisung. Als wäre sie nicht liebenswert. Das wiederum spiegelt sich später ihrer Tochter Nadja wider. Das Eis bricht erst, als Nadja Spiegelman anfängt, die Geschichte ihrer Mutter aufzuschreiben. Vorher erhielt sie als Antwort auf ihre Fragen stets nur ein „Davon erzähle ich dir, wenn du älter bist.“ So sah sie bloß die ausgefransten Ränder der Löcher von den Geschichten, spürte lediglich die Nachbeben von Explosionen. Aber als sie ihre Mutter zu Gesprächen überreden kann und sie endlich zu erzählen anfängt, beginnt sie zu verstehen, was Francoise innerlich bewegt, was sie verletzt hat und was sie überleben ließ. Anfangs sagte Francoise: „Du weißt schon, dass das, was wir hier machen, große Ähnlichkeit mit Maus hat.“ Auch Art Spiegelman hatte einst seinen Vater befragt, sich die qualvolle Reise durch deutsche Konzentrationslager erzählen lassen. Art Spiegelmans Mutter beging mit zwanzig Selbstmord. Sein Vater verbrannte ihre Tagebücher. Aber Nadja Spiegelman will bewahren und verstehen. Ihre Mutter war und ist für sie ein Kraftfeld, dass ihr und ihrem Bruder alle Angst nahm, als sie noch Kinder waren. Und wir Leser begreifen beim Lesen dieses Buches, dass uns nur die Auseinandersetzung mit unseren Wurzeln, und sei sie auch noch so schmerzlich, weiterbringt.

Weitere Infos zum Buch und der Autorin, hier auf der Verlagsseite.

Aufbau Verlag, 394 S., Hardcover mit vielen s/w Abbildungen.



Jessie Burton Das Geheimnis der Muse
Roman
Aus dem Englischen von Peter Knecht

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London 1967 und ein Dorf in Andalusien 1936. Zwei junge Frauen, die sich emanzipieren und ihren eigenen Weg gehen. Odelle Bastien, eine Immigrantin aus Trinidad will Dichterin werden, obwohl sie längst Gedichte schreibt. Doch sie traut sich und ihrem Talent noch nicht. Um zu leben, jobbt sie in einer Londoner Kunstgalerie, dort sieht sie ein Gemälde, das ein Geheimnis umgibt. Eine grausame Szene, die nach einer Legende gemalt wurde, die aber auch wegen ihrer Art der Darstellung alle Betrachter beeindruckt. Noch dazu ist der Künstler verschollen. Parallel dazu springt die Geschichte in die Zeit des spanischen Bürgerkriegs, durch die Sicht einer jungen Malerin namens Olive Schloss in Andalusien, erlebt der Leser die Entstehung des Gemäldes. Man erhält Einblick in das eigenwillige Leben und Denken von Künstlern und Kulturschaffenden, das durch den Krieg zu zerbrechen droht. Der Roman ist spannend erzählt, in ihm stecken viele ergreifende Ideen, über die Kunst, die Liebe, die Politik der Vorkriegs- und Nachkriegszeit und die Emanzipation, aber leider sind manche Passage zu breitgetreten und werden viele Einfälle zu oft wiederholt, das trübt das Lesevergnügen und verwässert die Geschichte unnötig.







Jörg Bernardy
Philosophische Gedankensprünge
Illustriert von Linda Wölfel

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Allein optisch ist das Buch eine Augenweide und pures Betrachtungsvergnügen für junge und alte Philosophen. Handgeletterte Überschriften und wunderschöne Collagen von Linda Wölfel begleiten die inspirierenden Texte von Jörg Bernardy. Denk selbst ist das Motto. Ich, der Mensch, die Natur, Tiere, Freundschaft, Sprache, Liebe, Gesellschaft, Medien und Sinn heißen die Kapitel und bieten philosophische Fragen über Existenz und Ethik, Moral und Smartphone. Schön gestaltete Einsprengsel richten sich mit Aufgaben direkt an den Leser. Gibt es ein Wort…das nichts bedeutet? …das dir nichts bedeutet? …für das du dir eine andere Bedeutung wünscht? …dessen Bedeutung niemand kennt außer dir? Oder wie weit würdest du gehen, um Aufmerksamkeit zu bekommen? Was gehört zu meiner Privatsphäre und was nicht? Gesellschaftskritisch, engagiert und sehr eigen springt der Autor durch die Geschichte der Philosophie in die Gegenwart und die Sinnfragen, die Jugendliche heute beschäftigen. Denken ist ein Abenteuer, das dich verändern kann, heißt es auf der Buchrückseite. Wer nicht hinterfragt, verarmt. Ein Buch, das den Alltag bereichert, wachrüttelt und -schüttelt und einfach großen Spaß macht. Das beste Geschenk für Grübler und Sinnsucher.

Weitere Infos zum Buch und der Autorin, hier auf der Verlagsseite.
Beltz und Gelberg Verlag, 140 S., Hardcover mit vielen farbigen Illustrationen.



Andrea Gerk
Lob der schlechten Laune

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Zwischen den vielen Glücks- und Heilsversprechungsratgeber fällt dieses Buch natürlich auf. Wer, und wenn auch für sämtliche Nahestehenden offensichtlich, ist schon ein bekennender Grantler? Dabei setzt sogar die gesamte Unterhaltungsindustrie auf sie. Ob Hauptfigur in Büchern, Filmen, Theaterstücken, am alles verderbenden und damit zugleich infrage stellenden Miesepeter führt kein Weg vorbei. Die meisten Komödien ziehen ihre Kraft aus dem mit seiner schlechten Laune, er oder sie kriegt die meisten Lacher ab, stiehlt nicht nur den anderen die Show und, was noch besser ist, bleibt als starker Charakter in Erinnerung. Wir wissen, dass uns nichts mehr langweilt, als ein bestgelaunter Hauptdarsteller in einem Film. Wem alles gelingt, alles zufliegt, das pure Glück ausstrahlt, wirkt einschläfernd. Aber auch die Wandlung vom Griesgram zum Glücksinhaber muss glaubhaft verkörpert sein. Angefangen bei Hans Moser, dem Wiener Charakterdarsteller, den vermutlich nur noch die ältere Generation kennt, über Simon Brenner von Wolf Haas bis zu dem schwedischen Bestseller „Ein Mann namens Ove“. Andrea Gerk stellt viele in kurzen Abrissen dar und falls die Leserin sich bisher mit ihrer schlechten Laune allein in weiter Flur fühlte, nun hat sie illustre Gesellschaft. Hier ist für jeden etwas dabei. Eingangs wird mit einem Zitat von Georges Simenon das Recht zur schlechten Laune erteilt. Wir lernen den Unterschied zwischen den Launen von Mann und Frau und auch die Kunst des Schimpfens, schulen ein Herz für Hochsensible, die mit ihren Zwängen zurechtkommen müssen und tauchen ein in die Prominenz von Kinderbuchklassikern und klassischen Helden wie Schopenhauer & Co. Das schön gemachte Buch ist gespickt mit amüsanten Literaturbeispielen und Abbildungen, die Lust auf weitere Recherche machen. Am Ende kann man gegen die schlechte Laune ankämpfen oder ihr etwas Gutes abgewinnen, im besten Fall dieses tolle Buch.

Weitere Infos zum Buch und der Autorin, hier auf der Verlagsseite.

Kein & Aber Verlag, 304 S., Hardcover mit vielen s/w Abbildungen.

Ben Miller
Anybody out there?
Die faszinierende Suche nach außerirdischem Leben

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Der britische Schauspieler Ben Miller forscht über Außerirdische, naja, nicht wirklich. Er beschreibt in diesem Buch auf sehr amüsante Weise die bisherigen Erkenntnisse, die die Wissenschaft bei der Suche nach Außerirdischen gewonnen hat. „Vergesst Science-Fiction, ihr erlebt gerade eine der unglaublichsten Revolutionen in der Geschichte der Wissenschaft: Immer mehr Physiker, Biologen und Chemiker glauben mittlerweile, dass wir nicht allein sind.“ So nimmt er uns Leser mit auf die spannende Reise ins Weltall und wieder zurück, führt uns zugleich die Schönheiten der Erde vor Augen. Von der Mikrobe bis zu Signalen der Aliens. Das ist witzig, oft verblüffend absurd. Inklusive UFO-Sichtungen. So manche galaktische Spurensuche liest sich wie ein Krimi und bietet viel Stoff zum Nachdenken. Am erstaunlichsten findet Ben Miller, wie lange es gedauert hat, bis sich so manche Erkenntnis durchsetzte. „Wenn es um die Wirklichkeit geht, sind wir Menschen nicht unbedingt die verlässlichsten Kreaturen. Wir sehen nicht nur Dinge, die es gar nicht gibt, sondern wir ignorieren auch solche, die tatsächlich vorhanden sind...“ Ein großer Lesespaß für Abgehobene und Bodenständige zugleich.





Ali Smith
Wem erzähle ich das?

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Ein Buch der Trauer und Melancholie. Beim Aufräumen und Sortieren der Hinterlassenschaft der Geliebten reüssiert die Ich-Erzählerin über gemeinsam Gelesenes und Erlebtes. Dadurch reinigst sie auch ihre Seele und lässt den Schmerz zu. So begegnet der Leser Künstlern und Begebenheiten der Kunst- und Literaturgeschichte als säße er als dritter mit im Zimmer und lausche dem intimen Dialog zweier Frauen. Dieser Umstand wirkt etwas bemüht, die wiederkehrende Anrede mit „Du“, die der toten Geliebten gilt, lässt den Leser als Voyeur dabeisitzen. Manchmal lockert sich der Erzählton, sobald Ali Smith tiefer in die Literatur eintaucht und sich mit Romanfiguren, Autoren und ganz persönlichen Erlebnissen beschäftigt, vergisst man die Rahmenhandlung. So breitet sie ihr Wissen nach und nach aus, gibt Einblick in die Psychologie, in die Auseinandersetzung mit Sprache und Sprachformen. Auch wenn es für die Autorin vermutlich der beste Weg war, dieses Buch zu schreiben, berührt diese gewählte Form nicht wirklich und verwässert leider die vielen klugen Gedankengänge. Schade.


Weitere Infos zum Buch und der Autorin, hier auf der Verlagsseite.
Luchterhand Verlag, 224 S., Hardcover mit vielen s/w Abbildungen.



Daniel Cooney
Comics und Graphic Novels zeichnen
Wie man Charaktere kreiert, zeichnet und zum Leben erweckt


Daniel Cooney, ein professioneller Comiczeichner, gibt seine Erfahrungen weiter. Aufgeteilt in erste Schritte, detaillierte Kopf- und Gesichtszugsübungen für die Mimik, um Gefühle auszudrücken, dann das Zeichnen ganzer Figuren mit ihren speziellen Körperhaltungen, über die Kleidung (Faltenwurf, Licht und Schatten) und schließlich das Aufteilen von Comicseiten. Wie schon Leonardo da Vinci erkannte, muss man das Verborgene, die Muskeln und Knochen unter der Haut, kennen, um Körperhaltungen exakt darstellen zu können. Das zeigt das Buch in genauen Schritt für Schritt Anleitungen mit ausführlichen Texten und Bildern. Auch die Bewegungsabläufe der Wirbelsäule, die als senkrechte Achse beim Zeichnen mitgedacht werden soll, damit Figuren nicht kippen, werden erläutert. Ein Extrakapitel am Schluss informiert über die Besonderheiten von Graphic Novels. Abgerundet wird das Ganze mit einem Glossar der Comicwelt und einem Inhaltsverzeichnis zum leichten Wiederfinden von Gesuchtem. Zusätzlich aufgelockert ist das Buch mit Profi-Tipps bekannter Comiczeichner. Ein wirklich fundierter Ratgeber, der alle weiterbringt, die Grundlagen im Zeichnen üben und sich verbessern wollen. Fortgeschrittene finden hier ein schnelles, übersichtliches Nachschlagewerk und neue Anregungen.

Frech Verlags, 192 S., großformatiges Taschenbuch.


Stephen Anderton
Die großen Gärtner
40 Persönlichkeiten – 500 Jahre Gartengeschichte

Betrachten, lesen und schwelgen. In diesem prächtigen Bildband werden sage und schreibe fünfhundert Jahre Gartengeschichte ausgebreitet. Quer durch die Welt. Allein wie Vita Sackville-West auf den ersten Seiten perfekt gestylt, aber scheinbar konzentriert jätet, gefolgt von alten Seiten aus Gartenbüchern und wunderschönen Tuschezeichnungen. In den Porträts werden die Eigenheiten der jeweiligen Gärtner beschrieben, wie sie zu dem wurden, was sie sind. Ihre Pflanzschwerpunkte, ihre Visionen, ihre Vorbilder und Einflüsse. Das ist spannend und lehrreich zugleich. Z. B. Penelope Hobhouse, die von der Renaissance fasziniert war, und auf einem Bauernhaus bei Florenz lebte, um die italienischen Renaissancegärten besuchen zu können. So bekam sie ein Gefühl dafür, wie sie strukturiert waren und in welchem Verhältnis die Gartenanlagen zu den Häusern stehen sollten. Darüber schrieb sie dann Bücher und beriet wiederum andere Gärtner. Oder vermutlich besser gesagt Gartenbesitzer, wie Steve Jobs, den Mitbegründer von Apple. Die persönlichen Erzählungen heben diesen Bildband aus den Reihen der trockenen Ratgeberbücher heraus.
So freut man sich noch mehr aufs Frühjahr und kann es gar nicht erwarten, inspiriert von diesen Meistern der Gartenkunst. selbst in der Erde zu buddeln.





Philipp Barth
Von der Kunst, einfach anzufangen

Das Lieblingsgetränk bereitstellen, den Bleistift spitzen, das Telefon lautlos stellen und die WLAN-Verbindung kappen. Alles ist bereit, doch man sitzt vor dem leeren Blatt oder dem blinkenden Cursor und weiß nicht wie anfangen. Hier schaltet sich Philipp Barth ein, der Autor für kreative Lösungen. Wie auch schon in seinen Vorgängerbüchern „Aufmerksamkeit“ und „das Buch für Ideensucher“ widmet er sich wieder ausführlich und kompetent einer Angelegenheit, die besonders kreative Menschen befällt. Dieses Mal gibt er Anregungen, überhaupt erst in ein Projekt einzusteigen. Insider kennen den Fachbegriff der weitverbreiteten Krankheit: Aufschieberitis. Zuerst die gute Nachricht im ersten Kapitel. Die Krankheit ist heilbar, weiter geht es über die Fokussierung des Ziels bis zum Weg dahin und endlich beginnt das pure Vergnügen. Doch wer selbst an Aufschieberitis leidet, weiß, dass alle wohlgemeinten Tipps nichts nützen, denn jeder Tag fängt mit dem gleichen Ritual an. Also hilft nur eins. Austricksen und die Angst vorm leeren Blatt besiegen. So kommt man in zehn Schritten ans Ziel. Der Autor gibt konkrete Tipps, z. B. erläutert er hilfreiche Apps oder sagt wie man eine Schreibhemmung wieder zum Fließen bringt. Außerdem enthält das Buch Projekt-Pläne, die den inneren Zweifler austricksen und den vor einem liegenden Berg in kleine Portionen aufteilen. Wie immer ist das Buch auch wunderschön gestaltet. Eine Augenweide für Designer und macht darum schon allein deswegen Lust loszulegen. Das Tolle ist, auch Pausen fördern die Kreativität. Philipp Barth als Mentor hilft uns einfach dranzubleiben.






Frau Annika & friends
Handlettering – Das große Buch der Alphabete

Frau Annika, alias Annika Sauerborn ist Expertin für handlettering, früher Schönschrift genannt. Doch hier, beim Schreiben mit Pinsel, Füller oder Filzstift geht es um mehr. Handlettering ist meditativ, es entspannt den Geist und freut die Seele. Die wunderschön gestalteten Seiten in diesem Buch laden zum kreativen Ausprobieren, zum Spielen mit Buchstaben, kurz sie inspirieren sehr. Dreizehn Bloggerinnen stellen ihre Lieblingsalphabete vor, erzählen wie sie zum Schönschreiben kamen, was ihre Eigenheiten und Wiedererkennungsmerkmale sind. Außerdem geben sie konkrete Tipps wie die Schnörkel und Buchstabenabstände auch Anfängerinnen gelingen. Sogar ein Exkurs über „Lettering digitalisieren und bearbeiten“ ist dabei, wer zum Beispiel ans Selbstposten oder Glückwunschkarten drucken denkt. Gerade die Vielfalt und Eigenwilligkeit macht die Besonderheit dieses Buches aus, so wird hier jede lesende Schreibkünstlerin fündig und kann sich danach in eigenen Alphabeten erproben.   

@frauannika @mayandberry @frau_mesas  @a.good.feeling.after @maedchenkunst 
@happyliee@frau.liebling @dotsandstripes_blog@gelbkariert.de @buntegalerie @letterooo




Bernhard Schlink
Olga
Roman


Der Anfang verzaubert. Ein kleines Mädchen steht einfach nur da und beobachtet das Geschehen um es herum. Olga. Dann sterben die Eltern und das Mädchen muss zur garstigen Großmutter in Pommern, die es sogar umtaufen lassen will, aber Olga leistet Widerstand. Ihre weitere Lebensgeschichte entfaltet sich in groben Zügen, wie Blitzlichter zeigt Bernhard Schlink eindringliche Szenen. Dabei tun sich keine menschlichen Abgründe auf, wenn Olga Schlimmes widerfährt, erfährt der Leser es eher beiläufig. Olga nimmt hin, was geschieht, zugleich lernt sie aber auch nach und nach, sich zu behaupten. Es sind die leisen Töne, die Besonderheiten im oft harten Alltag, die diesen Roman zu etwas ganz Besonderem machen. Eine Kinderliebe wird zur Lebensliebe, Olga und Herbert. Doch im Gegensatz zu Olga, die im Hier und Jetzt das beste aus ihrer Situation macht, was der Autor im Bild des Stehenbleibens und Beobachtens zeigt, zieht es Herbert in die Welt hinaus. Anders als Olga rennt er am liebsten. Erst kämpft er gegen die Hetero in Afrika, wird Teil der Völkervernichtung durch die Deutschen, dann plant er eine Arktis-Expedition, inzwischen ist es kurz vorm 2. Weltkrieg. Und als er nach Norden aufbricht, verzehrt sich Olgas Liebe zu ihm. Kurz vor der Mitte des Buches ist ihr Leben zu Ende und ich fragte mich, was noch kommt und nun erklärte sich die erzählerische Distanz. Es gibt eine Ich-Perspektive und dieses Ich trägt Olgas Geschichte weiter. Somit bleibt der Roman berührend und spannend bis zur letzten Zeile. Wie in seinen anderen Büchern schafft es Bernhard Schlink wieder einmal den Leser in eine leise, und gerade darum so eindringliche Welt zu entführen. Das ist große Erzählkunst, die fesselt und den eigenen Alltag beschwingt.  




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